Bürgerreise der Stadt Freiburg in die Partnerstadt Isfahan im Iran, 12. bis 23. April 2003

"Wenn du einen Menschen richtig kennenlernen möchtest, dann musst du mit ihm reisen."

Am Anfang war die Sehnsucht; in ein Land zu reisen, dessen Natur und Landschaft das Herz und die Augen erfreuen, dessen Düfte und Klänge alle Sinne betören und dessen Menschen eine Wärme und Freundlichkeit verbreiten. Ich hatte in Deutschland nur eine Ahnung von Persien bekommen. Nachdem ich Bilder und Gegenstände über die iranische Kulturgeschichte auf Ausstellungen betrachtete, Vorträge und Konzerte über und aus dem Iran besuchte und mir die Meinungen von Deutschiranern über ihr Heimatland anhörte, war in mir ein besonderes Interesse an diesem Land geweckt worden. Am Jahresbeginn rückte mein "Wunschziel" immer näher, es war für den April eine vierte Bürgerreise in den Iran geplant. Zu der Zeit begann zwischen dem Nachbarland Irak und den Vereinigten Staaten ein unsinniger Krieg, so dass ich einige Male mit einer Absage der Reise, wie schon im Jahre 1999, rechnete. Aber es kam zum Glück nicht dazu, die Reise sollte stattfinden.

Was würde mich im Orient erwarten? War das Land so unterschiedlich wie die Meinungen einiger Iraner die in Deutschland lebten? Die ihre Heimat wohl im Herzen tragen, aber deren Verstand sich auflehnt gegen die konservative und strikte Regierung und die sich nicht wie andere mit dem zufrieden geben wollen wie es ist, sondern denen demokratisierende Entwicklungen in ihrem Land zu langsam gehen. Welches Meinungsbild der Einzelne auch vermittelte, ich glaubte stets eine stille Liebe in den Worten heraus zu hören und das öffnete mein Herz und weitete meinen Verstand, so dass ich relativ unvoreingenommen und neugierig in den Iran reisen konnte. Eine Gruppe von zwanzig "mutigen" Freiburgern flog Mitte April zusammen mit ihrer Reiseleiterin Frau Ebrahimpoor in den Iran. Nur fünf einhalbe Stunden trennte das Abendland vom Morgenland.
Unser nächtlicher Anflug auf Teheran war atemberaubend, die 15 Mio. Stadt zeigte sich in einem wunderschönen Lichterglanz. Meine Anspannung stieg mit zunehmender Bodennähe. Welcher Geruch würde mir entgegen kommen, welchen Eindruck würde ich von der Stadt und ihren Menschen bekommen und welche Atmosphäre würde ich wahrnehmen?
Zunächst war viel Wärme zu spüren, nicht nur die des Klimas, sondern auch die der Menschen, welche z.B. sehr bemüht waren uns wohlbehalten zum Hotel zu fahren. -Die Taxifahrten und die speziellen Verkehrsverhältnisse in Teheran wurden bereits ausführlich in den vorangegangenen Berichten geschildert-. Bei all dem Straßenchaos ging doch eine ansteckende Ruhe und Gelassenheit von den Menschen aus und ich fragte mich, ob unsere deutschen Taxifahrer in der gleichen Situation auch so ruhig und geschickt handeln würden.

Nach unseren Zimmerbezug im Hotel "Homa" hatte ich erste aromatische Gaumenfreuden mit Kiwis, Orangen und kleinen Gurken und natürlich den Pistazien. Dieser Genuss ging etwa um 5 Uhr morgens beim Frühstück weiter, wir bekamen das für Teheran so typisch leckere Brot "Barbari" ganz warm serviert.
Bald danach fanden wir uns müde am Flughafen wieder ein. In die Provinz Fars, nach Shiraz, der "Stadt der Liebe, der Rosen und der Nachtigallen" wollten wir. Dort wo die berühmtesten persischen Dichter Hafez und Saadi lebten, 1540 m über den Meeresspiegel landeten wir, ziemlich erschöpft und schlafbedürftig.
Aber kaum hatten wir das Flughafengelände verlassen, erwachten in mir alle sieben Sinne auf einmal. Was für ein lieblicher Geruch kam uns entgegen, wie bunt und leuchtend blühten die Rosen, wie herrlich die sauren Orangen- und Zitronenbäume blühten und die weite des Himmels! Auch wenn die Sonne nicht schien: "Heil Shiraz! Nein, keine Lage, Lässt mit seiner sich vergleichen." Unser Reiseleiter in Shiraz war sehr freundlich und sein kundiges Wissen über die Sehenswürdigkeiten in und um Shiraz waren für uns alle sehr bereichernd. Darüber hinaus versuchte er stets unsere "tausend" Fragen zu beantworten und sorgte für nette Überraschungen, wie z.B. der Besuch in einer Gabeh-Werkstatt, in der wir nicht nur zwei Nomadinnen beim Teppich knüpfen beobachten durften, sondern ein paar Frauen aus der Gruppe schlüpften für kurze Zeit selbst in die Tracht der Nomadinnen. ´Wir freuten uns über soviel menschliche Nähe, trotz der kulturellen Verschiedenheiten.

Ein anderes Highlight war unser Besuch beim Hafez Grab. Es regnete in Strömen an diesem Tag und das gab ihm eine besondere Stimmung. Wir standen um das Grab, auf dem eine rote Rose lag, und berührten es mit einem Finger, während unser Reiseleiter einen Spruch aus dem Koran zitierte. -Die Blumen symbolisieren, dass wir Menschen alle Blumen sind und die rote Rose steht für vieles mehr.

Später entstand im Beisein von Prof. Nikuruh (einem wunderbaren Hafez Kenner) eine interessante Diskussion über die Gedichte und mystischen Interpretationen über Hafez.
Neben der Besichtigung der Mausoleen von Saadi und Hafez besuchten wir zwei schiitische Heiligtümer, eine Koranschule in der wir die Möglichkeit hatten einen Gelehrten (Mullah) kennen zu lernen. Wir bestaunten die Kräuter und Pflanzen im Eram-Garten, "erstürmten" die Zitadelle Karim Khan Zand und stöberten viel auf den bunten Basaren.
Unvergesslich war die Fahrt nach Persepolis, auf die sich wohl alle Reisemitglieder freuten. Die legendären Ruinen des Königspalast konnten wir an einem klaren, sonnigen Tag begehen. Jeder von uns hat in seiner Erinnerung seinen persönlichen Schatz mit nehmen können. Bei mir war es der Blick vom Felsengrab Artaxerxes II auf den Hundertsäulensaal, der zu Ehren der Gottheit Ahura Mazda erbaut wurde und dessen Lehre heißt: "Das Leben ist ein Kampf zwischen Gut und Böse."

Nach vier Tagen Shiraz ging es für die nächsten sechs Tage nach Isfahan, der "Perle des Orients". Diese Stadt machte ihrem Namen alle Ehre. Angefangen vom Hotel "Abbasi" (einer ehemaligen Karawanserei) über die Basare und Moscheen bis hin zu dem köstlichen persischen Essen. Wir fühlten uns dem Orient sehr nahe.
Auch wir kamen in den Genuss der bekannten und wie schon in früheren Reiseberichten dargestellten Sehenswürdigkeiten, wie z.B. der Vank-Kathedrale, dem Zoroastria-Tempel -in dem wir zufällig einer Trauerzeremonie beiwohnen durften-, den "wackelnden Minaretten"-wo wir spontan von einer Familie zum Tee eingeladen wurden-, dem Feuertempel auf dem Berg, den historischen Brücken entlang des Flusses Zayandehrud, der Freitagsmoschee "Harun Velayat" und der "Ali Moschee", dem Krafthaus, der Freitagsmoschee in Natanz am Rande der großen Salzwüste, einem Tag im Dorf Abyane und dem Empfang der Stadt Isfahan -bei der leider die Stadt Vertreter verhindert waren und wir mit unserem freundlichen und ruhigen Reiseleiter Herr Schafii einen angenehmen Abend verbrachten. Gerne hätten wir mehr Kontakte zu Isfahanis gehabt, um die Menschen aus unserer Partnerstadt näher kennenzulernen.

Von einem besonders interessanten Besuch möchte ich ausführlicher berichten. Frau Ebrahimpoor organisierte für uns einen Besuch in einer Kachelfabrik, in der wir typisch isfahanische Handwerkskunst sehen konnten. Bereits in den Basaren und Geschäften hatten wir die eine oder andere Kachelkunst bewundern können, aber jetzt waren wir ganz nah bei ihrer Entstehung dabei. Wir befanden uns in einem großen, hellen Arbeitsraum und beobachteten die Fliesenmaler, Mosaikschneider (Moarag) und Kaligraphen wie sie im Lotossitz ihre achtstündige Arbeit verrichteten. Ihr Chef erklärte uns, dass die Kacheln aus Isfahan immer sieben Farben (haft rang) haben. Zuerst wird ein Muster auf ein großes Papier gezeichnet. Mit Nadelstichen fährt man auf dem Muster entlang und mit Hilfe von schwarzer Kohle, die in einem Lappen gewickelt wurde, wird das Muster auf die weißen Kacheln gebracht. Danach werden die Motive schwarz umrandet und später mit den Farben bunt ausgemalt.
Es sah alles so leicht und locker aus, aber ein persönlicher Versuch nur ein einziges Blatt mit schwarzem Pinselstrich auf die weiße Kachel zu bekommen, ließ mich erstaunen, hier durfte nicht gezittert werden und eine gute Konzentration war nötig. Es ist eine wunderschöne und großartige Kunst und die fertiggestellten Endprodukte werden in die ganze Welt beliefert. In erster Linie natürlich für Moscheen oder reiche Iraner. Doch auch wir durften jeder eine Kachel (oder auch zwei) günstig erwerben und glücklich mit nach Hause nehmen.

Der Abschied von Isfahan fiel nicht allen gleich leicht, viele von uns waren während der Reise immer wieder positiv überrascht über die offenen und freundlichen Gespräche mit der iranischen Bevölkerung. Nur allzu oft wurden wir in den Parks und anderen Orten von den dortigen Menschen zum Tee eingeladen und unsere Konversation war oft ein Gemisch aus Englisch, ein bisschen Persisch und viel Körpersprache. Die Höflichkeit (im pers. Tarof) einiger Menschen (und hier spielte das Alter gar keine Rolle) verschlug uns des Öfteren die Sprache. Wir bekamen Geschenke von uns fremden Menschen, die Zeit für uns hatten und nicht gestresst oder gehetzt wirkten. Wie schِn kann doch das Leben sein und wie einfach mit ein wenig mehr Gelassenheit! Danke Persien. In Shallah, sehen wir uns wieder.



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