Badische Zeitung vom Mittwoch, 18. Juli 2007 

Fest Der Innenhöfe

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FOTO: Promo

Freitag, 20. Juli
In Klammern die Ausweichspielstätten bei schlechtem Wetter.
Karten:
01805/556656

Schwarzes Kloster
(Winterer-Foyer, Stadttheater)
20 Uhr Arthur-Lepthien-Klavierwettbewerb
21.30 Uhr Fourtune-Ensemble
23 Uhr Granada - Trio Alhambra

Alte Universität
(Universitätskirche)
19.30 Uhr Tagebuch-Lesung I
21 Uhr Tagebuch-Lesung II

22.30 Uhr Aufwind

Rathaus
(Foyer Rathaus)
20 Uhr Seoul — Koreanische Musik
21.30 Uhr Akkordeon-Rezital
23 Uhr Matsuyama — Shamisen-Musik

Sparkasse, Haus zum Walfisch
(Altkatholische Kirche St. Ursula)
19.30 Uhr Ostwärts
21 Uhr Guildford — Bach & Brouwer
22.30 Uhr Geschichte des Soldaten

Basler Hof
(Mensa-Bar, Rempartstraße)
19.30

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Klänge im Innenhof(FOTO: PRO)

Uhr Isfahan — Traditionelle Musik
21 Uhr Madison — Harmonius Wail
22.30 Uhr Raschèr Saxophone Quartet

Wentzingerhaus
(Wentzingerhaus)
19.30 Uhr Posaunen-Rezital
21 Uhr Sérénade à trois
22.30 Uhr Isai — Lieder des Südens

Historisches Kaufhaus
(Kaisersaal)
20 Uhr Russische Schule
21.30 Uhr Russische Schule
23 Uhr Haydn — La Fedeltà Premiata

Adelhausermuseum
(Adelhauser Kirche)
20 Uhr Russischer Chor
21.30 Uhr Seoul — Koreanische Musik

23 Uhr Lviv — Ukrainische Chormusik
 

 Badische Zeitung vom Samstag, 21. Juli 2007 

Solobild Abo

AUFTAKT zum Fest der Innenhöfe und der Museumsnächte. Gestern ertönten die ersten Klänge unter anderem in der Mensabar, wohin die Musiker aus der Partnerstadt Isfahan wegen des Wetters aus dem Basler Hof ausweichen mussten. Auch heute Abend gibt es in der Freiburger Innenstadt noch reichlich Gelegenheit klassische, aber auch moderne Musik zu hören. (FOTO: MICHAEL BAMBERGER)

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FOTO: Michael Bamberger

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Badische Zeitung vom Montag, 23. Juli 2007 
 

Barfuß auf dem roten Bühnenteppich Abo

Beim Freiburger Fest der Innenhöfe mussten viele Konzerte verlegt werden, doch das Festival entfaltete auch so einen großen Reiz

 

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Immer wieder geht der Blick nach oben. Riskiert man das Konzert im Innenhof oder wählt man das Ausweichquartier? Beim "Raschèr Saxophon Quartet" hält das Wetter nicht. Mitten in Bachs "Kunst der Fuge" fängt es an zu nieseln. Regenschirme werden aufgespannt, Kapuzen hochgeschlagen. Tapfer spielen die vier Musiker im Innenhof des Basler Hofes ihren Contrapunctus zu Ende, ehe sie dann doch Schutz unter einer überdachten Seitenecke suchen. Das Publikum reagiert pragmatisch: So leicht lässt es sich den Konzertgenuss nicht verderben. Schnell werden die Stühle anders positioniert. Dann geht es weiter mit Barbara Thompsons zweitem Saxophonquartett "From darkness into night" . Das Glockengeläut des nahen Münsterturms klingt im langsamen Satz so stimmig, als sei es bewusst hineinkomponiert. Und das Konzert des international renommierten Ensembles, charmant moderiert von Altsaxofonist Elliot Riley, wird zu einem der vielen Höhepunkte des Wochenendes.

In diesem Jahr stand das Freiburger "Fest der Innenhöfe" unter besonderen Vorzeichen. Wegen des 550-jährigen Jubiläums der Universität legte das Kulturamt den Schwerpunkt auf Musikgruppen aus den Partnerstädten. So konnten die vielen Besucher in zwei Tagen eine musikalische Weltreise unternehmen — von Spanien (Granada) in die Vereinigten Staaten (Madison), von Österreich (Innsbruck) nach Japan (Matsuyama), von Italien (Padua) in den Iran (Isfahan). Und in dem intimen Rahmen der Konzerte den weit gereisten Ensembles viel näher kommen als im normalen Musikbetrieb. Da wurde das Publikum auch mal zur Übersetzungshilfe eingespannt wie bei beim Konzert von Leio aus Besançon oder beim fulminanten Auftritt von "Maui y los Sirenidos" aus Granada. Gleich zu Festivalbeginn am frühen Freitagabend spielt ein Ensemble aus Isfahan in der Mensabar traditionelle persische Musik. In sich kreisende Klänge einer Santur (eine Art Hackbrett) verbinden sich mit dezenten Trommelschlägen zu einer meditativen Musik, die die Zuhörer gefangen nimmt. Ein paar hundert Meter entfernt im Innenhof des Rathauses macht ein fünfköpfiges Ensemble aus Seoul die begeisterten Zuhörer mit traditioneller, virtuos gespielter koreanischer Musik vertraut, im überfüllten Innenhof des Wentzinger Hauses spielen Karl Kaiser (Flöte), Petra Müllejans (Violine) und Sonja Prunnbauer (Gitarre) ihre "Sérénade à trois" zwischen den großen Sandsteinfiguren von Johann Christian Wentzinger. Im Hintergrund plätschert ein Brunnen.

Wie jedes Jahr öffnen zum "Fest der Innenhöfe" auch die Museen ihre Türen. Im Augustinermuseum gibt es stündliche Führungen durch die Sonderausstellung "Flucht nach Ägypten" , das Archäologische Museum Colombischlössle ist den Tönen auf der Spur — und bietet sogar die Möglichkeit, eine Flöte selbst zu basteln. Dazu servieren die Mitarbeiter sinnigerweise gebackene Notenschlüssel. Bei den Museumsnächten wird den Besuchern ein intimer Blick auf die Exponate ermöglicht. Vermittlung wird groß geschrieben — auch und gerade für die ganz kleinen Besucher wie bei der Kinderführung im Museum für Stadtgeschichte.

Am kühlen Samstagabend ist der Himmel durchgehend grau. Fast alle Konzerte werden in die Ausweichquartiere verlegt, so dass auch Murat Coskun beim zehnjährigen Jubiläum auf dem "Fest der Innenhöfe" zum ersten Mal seine Rahmentrommeln nicht unter freiem Himmel spielen kann. Aber auch in der dunklen Mensabar fasziniert er mit seinem beseelten, kreativen Spiel. Das Festival hat mittlerweile solch eine musikalische Qualität, dass es auch ohne die besondere Atmosphäre der Innenhöfe großen Reiz entfaltet. Wann und wo gibt es schon die Möglichkeit, so viele unterschiedliche Musikstile auf engstem Raum erleben zu können: traditionelle alpenländische Volkmusik aus Tirol in der Universitätskirche, eine Haydn-Oper im Kaisersaal und traditionelle japanische Musik vom zwanzigköpfigen Shamisen-Orchester aus Matsuyama. Über den Dächern von Freiburg, in der Meckelhalle im vierten Stock der Sparkasse, geht das Festival mit der französischen Band um den charismatischen Sänger und Akkordeonisten Leio zu Ende. Die energiegeladene Musik steckt an. Barfuß steht Leio auf dem roten Bühnenteppich, die Regenschirme liegen auf dem Fußboden: Der Sommer zieht ein. Und der Blick geht nach unten auf die regennassen Dächer der Stadt.

Georg Rudiger