Badische Zeitung vom Freitag, 15. Juni 2007 

Ein weltoffenes Flair im beschaulichen Städtle Abo

Großes Interesse am "Markt der Partnerstädte" auf dem Rathausplatz / BZ-Umfrage: "Was unterscheidet die Menschen aus Ihrer Stadt von denen in Freiburg?"

Von Gerhard M. Kirk und Tina Srowig

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Die einen lernen: Die nächste und älteste Freiburger Partnerstadt Besançon ist mit dem Auto in gerade mal zwei Stunden zu erreichen. Die anderen lernen: Die ukrainische Partnerstadt Lviv gehörte wie Freiburg einmal zu den Habsburgern. Wieder andere lernen: Die Stadt Freiburg hat tatsächlich einen eigenen Europabeauftragten. Und alle lernen beim "Markt der Partnerstädte" auf dem Rathausplatz: Ganz schön international und weltoffen, dieses scheinbar so beschauliche Breisgau-Städtle.

Das große weiße Zelt in der Nachbarschaft zu den Partnerstädte-Wappen aus Rheinkieseln schwirrt vor unterschiedlichen Sprachen. Die Stände von acht Partnerstädten (Granada fehlt) sind unablässig umlagert von Interessierten. Schon wenige Stunden nach Marktbeginn gestern sind dem Freiburger Europabeauftragten René Sutter die Exemplare der "Verfassung für Europa" ausgegangen. Dafür gibt’s bei den Partnern aus Guildford um 16 Uhr "English tea with cake" .

Und informiert

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wird an allen Ständen über die jeweilige Stadt sowieso. Dass in Lviv (Partnerstadt seit 1989), erzählt Ulyana Levchyshyn, die Unterstützung aus Freiburg sehr bekannt ist und geschätzt wird. "Das ist eine große Hilfe für unser Sozialamt." Zum Beispiel, wie der Freundeskreis Freiburg-Lviv mit seiner Suppenküche für arme Menschen eine Brücke ins frühere Lemberg baut. Am Stand gegenüber informiert Rivka Hollaender über die Partnerschaft zwischen Freiburg und Tel Aviv, die es noch gar nicht gibt. "Aber ich hoffe, dass es nächstes Jahr soweit ist." Nicht nur, weil die 2 und die 8 von 2008 zusammen 10 ergeben — und Tel Aviv wäre Freiburgs zehnte Partnerstadt. Mehr noch, "weil es da schon eine sehr große Partnerschaft an der Basis gibt und schon sehr viel an Austausch zwischen den Menschen geschieht" .

Ähnlich ist es bei der Partnerschaft mit der iranischen Stadt Isfahan (seit 2000), die nach Einschätzung Bernd Braumandls "Freiburgs exotischste Partnerstadt

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ist" . Entsprechend groß ist das Interesse. Und der Freundeskreis Freiburg-Isfahan nutzt die Gelegenheit, manches schiefe Bild in den Köpfen zurechtzurücken: "Viel zu wenig wird hier berücksichtigt, dass es im Iran eine gut gebildete Zivilgesellschaft gibt, die den eigenen Staat und den Westen sehr differenziert betrachtet." Bernd Braumandl sieht deshalb auch "das kreative Potential dieser Städtepartnerschaft noch nicht ausgereift" . Das sagt Martina Höllrigl auch mit Blick auf Innsbruck. Jedenfalls verneint sie nicht ganz den Eindruck, die Partnerschaft mit der zweitältesten Partnerstadt (seit 1963) zeige gewisse Ermüdungserscheinungen. Doch ist die Marketing-Frau guten Muts: "Innsbruck bemüht sich gerade, die Partnerschaft wieder etwas zu beleben."

Das würde auch der Freiburg-Madison-Gesellschaft gut tun, meint Manfred Höfert, der deren "schmale Basis" in Freiburg gern verbreitert sähe. Vorbehalte gegen die USA spielen da jedoch seiner Meinung

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nach keine Rolle. Dagegen spreche auch "das wahnsinnig hohe Interesse" an Madison (seit 1988) — auch an seinem Stand waren schon kurz nach Highnoon alle Stadtpläne vergeben. Genug Papier, um damit die Kunst des Origami zu zeigen, gibt’s derweil am Stand von Matsuyama (seit 1988). Ohne Unterlass sitzen Frauen und Männer auf der niedrigen Bambus-Bank und falten unter Anleitung von Miwa Kawasaki anmutige Kraniche. Seit sechs Jahren lebt die Geigenspielerin in Freiburg und erklärt nun ihren neuen "Landsleuten" , wie sie am besten in die japanische Partnerstadt kommen oder was die Schriftzeichen an der Zeltwand bedeuten.

Wenig erklären indes gegenüber die beiden Signori aus der Jubiläumspartnerstadt Padua (seit 1967) — es sei denn, die Wissbegierigen beherrschen Italienisch. Auch ohne diese Fähigkeit ist es aber durchaus möglich, den aus Norditalien mitgebrachten Wein und Käse, Öl und Wurst zu kaufen — oder sich über die Freiburger Dante Aligheiri-Gesellschaft für Italienisch-Kurse anzumelden. Kaum Verständigungsschwierigkeiten sind nebenan am Stand von Besançon zu beobachten. Hier macht Dominique Levrey deutlich, dass die Beziehung ihrer Heimatstadt mit Freiburg (seit 1959) durchaus lebt — nicht so spektakulär vielleicht, aber zuverlässig und vertraut beim Schüleraustausch oder zwischen Vereinen. "Die Freiburger kennen Besançon, und die Bisontiner kennen Freiburg als Partnerstadt."

Das scheint mit Blick auf die Partnerschaft mit dem englischen Guildford (seit 1979) nicht ganz so ausgeprägt. Dem widerspricht Peter Slade, Vorsitzender der Guildford Freiburg Association, freilich energisch. Natürlich gebe es immer mal ruhigere Phasen. Doch insgesamt "gibt es einen sehr aktiver Austausch" . Nicht zuletzt, weil Jahr für Jahr Blau-Weiß Wiehre sich fußballerisch misst mit den Guildford City Boys.

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 Badische Zeitung vom Freitag, 15. Juni 2007 
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"Natur, Mensch, Kunst"

Zwei Künstlerinnen aus der iranischen Partnerstadt Isfahan bieten gemeinsam mit dem Arabia-Institut (im Kulturpark, Haslacherstraße 43) am Samstag, 16. Juni, von 12 bis 15 Uhr einen Workshop zum Thema "Natur, Mensch und Kunst" an, in dem man mit Gewürzen und Naturmaterialien aus dem Iran arbeitet und die Kunst der persischen Kalligraphie erproben kann. Die beiden Künstlerinnen stellen ihre Arbeiten auch auf dem Markt der Partnerstädte auf dem Rathausplatz aus. Infos und Anmeldung zu dem Kurs (10 Euro Gebühr plus Material) unter